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Beispiel: Supermarkt – Kassenschlange

Systemisches Denken kann man mitunter auch im Alltag erleben, wenn man gar nicht damit rechnet, wie z. B. in einem Supermarkt:

Zur Mittagszeit haben sich Warteschlangen an den Kassen gebildet. Ein junger Mann, mit einer Getränkeflasche und eine Gebäcktüte in der Hand, kommt mit schnellen Schritten und stellt sich an einer Schlange an. Vor ihm steht eine kleine ältere Dame mit einem halb vollen Einkaufswagen, die seine Ankunft aufmerksam registriert. Sie blickt nicht nur nach vorn, sondern nimmt mit ihrem wachen Rundumblick „das ganze System“ wahr. Sie erkennt offenbar, dass der junge Mann in Eile ist und bietet ihm an, die Plätze in der Schlange zu tauschen. Der junge Mann nimmt das Angebot sichtlich erfreut an, vergewissert sich aber noch, ob es denn der Frau wirklich nichts ausmache, noch länger warten zu müssen. Die Frau lächelt und meint: „Och, das bisschen Zeit, was Sie brauchen, macht mir nichts aus. Und wenn schon, ein anderes Mal werden Sie jemand vorlassen, und das ist dann doch auch wieder schön, nicht wahr?“

Nach dem Bezahlen dreht sich der junge Mann beim Weggehen noch einmal um und winkt der Frau lächelnd zu. Darüber freuen sich nicht nur die Frau, sondern auch mehrere Personen, die diese Szene miterlebt haben.

Systemisches Denken bedeutet u. a., dass man über das augenblickliche Eigeninteresse („Wie komme ich jetzt möglichst schnell durch die Kasse?“) hinausdenkt: „Was kann ich jetzt tun, damit in Zukunft mehr Menschen Freude am Leben erfahren?“