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Warum ist systemisches Denken alt und doch wieder neu?

Der Mensch war schon in der Frühgeschichte fähig, systemisch zu denken. Dieser Fähigkeit gab er im Verlauf der Zeit verschiedene Namen, wie „Klugheit“, „Weisheit“ oder „gesunder Menschenverstand“. Leider wurde der Erfahrungshorizont des einzelnen Menschen durch die Arbeitsteilung und Spezialisierung in der Gesellschaft immer stärker eingeengt. Dadurch bekam er den Eindruck, dass die übrige Welt immer komplizierter und komplexer werde.

Er ersann Modelle und Systeme, um die Welt besser verstehen und beherrschen zu können, wie das Finanzsystem, das Gesundheitssystem, das Antiblockiersystem oder das XY-Betriebssystem. Er dachte systematisch. Seine Klugheit nannte er nun „Bildung“, „Intelligenz“, „Kompetenz“ oder „Cleverness“.

Um diese Systeme wiederum besser verstehen zu können, entwickelte er Systemanalysen, Systemtheorien, Kybernetik, vernetztes oder ganzheitliches Denken.
Beispielsweise versuchte Prof. F. Vester 1976 das „Vernetzte Denken“ zu perfektionieren. Er visualisierte das Prinzip des Systems inklusive seiner Wechselwirkungen mit Hilfe des Computerprogramms  „Sensitivitätsmodell“. Wenn jedoch ein Denker, der dieses Programm anwendet, einen gedanklichen Mangel hat, dann ist das Computerresultat zwar präzise, aber auch mangelhaft.

Heute denken viele Menschen, insbesondere Experten, dass sie besonders komplexe Probleme zu lösen haben. Deshalb besteht ein Bedarf nach einem – vermeintlich noch nie da gewesenen – Denken: es soll systemübergreifend sein, interdisziplinär, mehrdimensional und nachhaltig. Als besonders anschaulich und erfolgversprechend hat sich der Ansatz des systemischen Denkens erwiesen, der von Psychologen und Sozialpädagogen entwickelt wurde. Er basiert auf den therapeutischen Erfolgen des Arbeitens mit „systemischen Familienaufstellungen“.

Immer mehr Experten aller Fachrichtungen eignen sich heute dieses psychologisch-fachspezifische systemische Denken an, um ihre Expertise, ihre Managementfähigkeiten oder ihre Karriere zu vervollkommnen. Viele von ihnen bleiben dennoch Experten.