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Beispiel: Arbeitsplatz – Burnout

Wer Burnout ohne jegliches systemisches Denken durchlebt, der fragt nicht nach den vielfältigen Ursachen und Abhilfemaßnahmen, sondern leidet bis zum bitteren Ende.

Man kann jedoch Burnout verhindern und man hat – falls man bereits betroffen ist – sogar eine Chance zur Genesung, sobald man versucht, systemisch zu denken. Man beginnt damit, dass man das System (Arbeitsplatz, Wirtschaft, Leistungsgesellschaft, etc.), an dem man mitbeteiligt ist, in Frage stellt: „Muss alles so sein oder bleiben, wie es ist, oder kann ich etwas ändern?“ Wer daraufhin nach einer Ursache für sein Burnout sucht, findet i.d.R. auch eine schuldhafte Ursache. Zu den beliebtesten Schuldzuweisungen zählt die Erkenntnis: „Der Chef ist schuld!“ Dieses monokausale Denken ist zwar schnell und bequem, aber nicht systemisch. Da man den Chef in den meisten Fällen nicht ändern kann, müsste man konsequent sein und kündigen. Wenn man Glück hat, findet man sogar einen besseren Chef. Es kann aber auch sein, dass man vom Regen in die Traufe kommt.

Viele Menschen, die unter einem Erschöpfungssyndrom oder unter Überlastung leiden, wissen allerdings, dass es sich bei Burnout nicht um ein monokausales, sondern um ein multikausales bzw. systemisches Phänomen handelt. Sie kommen aber aus der sog. „Burnout-Falle“ nicht heraus, wenn sie denken, dass das Übel im System liege und außerhalb ihrer Person existiere. Sie betrachten nur die äußeren Belastungsfaktoren des Systems, wie z.B.:

  • hohe Gewinnerwartungen von Aktionären bzw. Kapitalgebern,
  • hoher Kostendruck durch globalen Wettbewerb,
  • ständiger Entscheidungsdruck durch permanente Erreichbarkeit über elektronische Medien,
  • gnadenloser Wettbewerb mit jüngeren Kollegen, die besser „performen“ können.

Sie empfinden eine Ohnmacht gegenüber dem übermächtigen System, an dem sie nichts ändern können. Sie erwarten aber dennoch, dass eine Verbesserung der Situation von diesen äußeren Einflüssen auszugehen habe. Sie denken nicht daran – oder sie wissen nicht, wie es geht – dass sie selbst auch einen Teil der Verantwortung dafür tragen müssen.

Wer Glück hat, erfährt mit Hilfe von anderen Menschen (Freunden, Ärzten, Therapeuten, etc.), wie er durch eigene Verhaltensänderung der Falle entkommt. Wer diese Hilfe aktiv sucht, der zeigt schon deutlich mehr systemisches Denken: Er akzeptiert, dass es Menschen gibt, deren Wahrnehmungs- und Denkweise anders ist als seine, und dass er deshalb von ihnen lernen kann.

Wer jedoch von Anfang an systemisch denkt, tappt nicht in die Burnout-Falle. Er achtet nicht nur auf die äußeren Belastungsfaktoren (s. o.), sondern vor allem auf die inneren, wie z.B.:

  • die sog. inneren Antreiber (siehe innere Antreiber), die man i.d.R. aus dem Elternhaus „geerbt“ hat; sie sind die grundlegenden Voraussetzungen dafür, ob eine Person burnout-gefährdet ist, sowie
  • evtl. ein Mangel an Fähigkeit, sich selbstkritisch zu beobachten,
  • evtl. ein Mangel an Fähigkeit, Grenzen zu setzen und „nein“ sagen zu können,
  • evtl. ein Mangel an Fähigkeit, Prioritäten zu setzen und ggf. auch verzichten zu können.

Wer diese Faktoren mit Distanz und Objektivität betrachtet, kann sein Burnout-Risiko selbst steuern. Er ist sogar in der Lage, das Gegenteil von Burnout zu erleben, wie z.B.:

  • mehr Energie aus einer anstrengenden Arbeit zu gewinnen, als zu investieren,
  • für eine Idee, für ein Engagement zu „brennen“, anstatt zu verbrennen,
  • andere Menschen für eine Arbeit zu begeistern und „anzufeuern“,
  • eine anstrengende Arbeit als Befriedigung zu erleben, auch wenn man dafür keine Belohnung von außen bekommt.